Christliche Politik in Ichenhausen?

Seit einiger Zeit dürfen in Ichenhausen die Waschanlagen auch an Sonn- und Feiertagen betrieben werden. Der Autobesessene Deutsche muss schließlich auch an diesen Tagen sein liebstes Spielzeug waschen können.

Vergeblich versuchte SPD-Stadtrat Christian Drews die CSU-Fraktion davon zu überzeugen, dass diese Entscheidung unchristlich und unsozial ist. Die Sonntags-Autowäsche stellt eine absolut unnötige Störung der Sonntagsruhe der Anwohner dar. Außerdem führt sie dazu, dass immer mehr Arbeitnehmer an Sonn- und Feiertagen arbeiten müssen. Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Mangold, fragte die Bayerische Staatsregierung: „Wird sie auf lange Sicht das Verlangen von Möbelhäusern, Supermärkten oder Einkaufspassagen auf Gleichbehandlung abwehren können und wollen?“ Öffnungszeiten am Sonntag führen nicht zu mehr Umsatz. Sie verlagern lediglich die Umsatzzeiten. Das Argument wirtschaftlicher Notwendigkeit ist daher ein Scheinargument.

Jede Lockerung des Sonntagsschutzes führt dazu, dass Beschäftigte auch an Sonntagen arbeiten müssen. Damit verliert der Sonntag zunehmend seine Bedeutung als gemeinsamer Ruhetag für die Familie. Laut Mangold beruht „... die wesentlich vom Christentum geprägte Kultur des Landes nicht zuerst auf Konsum und Arbeit, sondern besonders auch auf sozialen Kontakten in Familie und Gemeinschaft.“

Leider konnten die Mitglieder der CSU-Fraktion und Dr. Binder (FDP) diesen Argumenten nicht folgen und setzten gegen die Stimmen der SPD-Stadträte und der Freien Wähler die Öffnung der Waschanlagen an Sonn- und Feiertagen durch. Wir sind gegen jede weitere Lockerung des Sonntagsschutzes und die, nach Mangold, „Untergrabung der gemeinschaftsstiftenden Kraft des Sonntags“.